Oktober 2022

29Okt19:30Elctrocution Festival 2022 w/ Placebo Effect, fix8:sed8 & Pyroline

Infos

P18

LIVE:
Placebo Effect
fïx8:sëd8
Pyrroline
Aftershow:
INTOX Matze / DJ PuPPe / DJ dRiLL

 

PLACEBO EFFECT

Eine Electro-Legende kehrt zurück!

 

Nachdem die 1989 von Axel Machens, Christoph Kunze und Achim Windel gegründete Dark-Electro-Band Placebo Effect sich 1999 bereits mehr oder weniger aufgelöst hatte, sorgten in den vergangenen Jahren vor allem vereinzelte Live-Auftritte beim Wave-Gotik-Treffen 2014 in Leipzig, 2018 beim „Dark EBM Souls 4.0“-Club-Festival in Bratislava und vor allem bei der letztjährigen „Nocturnal Culture Night“ in Deutzen für lautstarke Rufe nach dem lange versprochenen, nie veröffentlichten Album „Shattered“. Wir erinnern uns: Die drei von so unterschiedlichen Acts wie Skinny Puppy, Front 242, Cabaret Voltaire, Depeche Mode, Fad Gadget, Gary Numan, Joy Division und The Cure beeinflussten Musiker fanden ihren eigenen musikalischen Ausdruck, der zwar vor allem kanadischen Dark-Electro-Acts wie Skinny Puppy, Numb und Front Line Assembly nahestand, sich aber durch seine Vielfältigkeit in der melodischen Struktur und den Horrorfilmen angelegten filmmusikalisch anmutenden Atmosphären schnell von konventioneller agierenden Acts abheben konnte. So konnten sie ihr zweites Tape „Gargoyles“ im Rahmen der Nachwuchsförderaktion des Zillo-Musikmagazins in dem Bayreuther Danse Macabre Studio von Bruno Kramm (Das Ich) aufnehmen. Durch Live-Auftritte und Sampler-Beiträge mit ihren Songs „Last Day“, „Sacrifice“ und „Devoid of Soul“ auf „Re/Beat“, „Danse Macabre Part I“ und „Eletronic Techno Music“ ließen Placebo Effect schnell in der Szene aufhorchen und konnten auch ihr längst zum Klassiker avanciertes Debütalbum „Galleries of Pain“ (1992) auf Danse Macabre veröffentlichen mit Bruno Kramm als Produzent der für den bis heute wegweisenden Sound sorgte.

Doch mit dem Wechsel zum Ausfahrt-Label veränderte sich nicht nur die musikalische Ausrichtung der Band hin zu atmosphärischeren und weniger tanzbaren Strukturen, sondern auch der Zuspruch seitens Kritik und Publikum. Während das 1993 veröffentlichte Mini-Album „Slashed Open“ noch mit dem Titeltrack und „Decay“ punkten konnte, fehlten dem 1994er Album „Manipulated Mind Control“ schließlich die zündenden Ideen, um in die Fußstapfen von „Galleries of Pain“ treten zu können. Mit der Compilation „MCMLXXXIX-MCMXCV (1989-1995)“ vereinen Placebo Effect neben den beiden neuen Tracks „Chlorid“ und „Alien“ vor allem Demos und Tracks ihrer ersten beiden Tapes erstmals auf CD. Das im Booklet angekündigte neue Album „Shatter“ ist nie erschienen … bis heute!

Nach turbulenten Jahren, in denen die Band beim Wave-Gotik-Treffen 2004 und 2014 einmalige Auftritte absolvierte, in denen Axel mit Ecki Stieg das Album „Accessoires“ vollbrachte, wurde einige Jahre später sein Nebenprojekt mit dem Solo-Album „The Laughing Dolls“ unter dem Namen „Breathe“ veröffentlicht. 2016 dann kam der unerwartete Tod von Achim Windel, Christoph und Axel waren geschockt, sie konnten es nicht fassen. Beide hatten dann wieder öfters Kontakt und beschlossen eine Wiederbelebung der Band. Es wurde immer mal wieder, an neuen Songs gearbeitet und vor allem auch live gespielt. Die euphorischen Reaktionen des Publikums auf die gut besuchten Gigs im Rahmen des „Dark EBM Souls 4.0“ in Bratislava und „Nocturnal Culture Night“ in Deutzen sowie die Videoveröffentlichungen der neuen Tracks „Nothing to Cry“, „Crystal White Snow“ und „Slave“ haben bei Axel und Christoph schließlich das Bedürfnis ausgelöst, bei ihren Fans das Versprechen auf das noch ausstehende Album endlich einzulösen.

„Uns hat an den Reaktionen gefreut, dass die Songs in unser bisheriges Konzept gepasst haben, dass wir mit ‚Shattered Souls‘ tatsächlich an unsere früheren Zeiten anknüpfen. Die Konzerte haben sicherlich dazu beigetragen, dass wir nicht ganz in Vergessenheit geraten sind“, meint Songwriter und Sänger Axel, über all die Jahre wurden angesammelte Songfragmente und Sequenzen für das Album zusammengestellt. Erfreulicherweise knüpft das Duo mit „Shattered Souls“ wieder an die erfolgreichste und beste Phase der Bandgeschichte zwischen dem Debütalbum „Galleries of Pain“ und dem Mini-Album „Slashed Open“ an. Obwohl die insgesamt 15 Tracks von der Anfangszeit der Produktion zum ursprünglich geplanten „Shatter“-Album Mitte der 1990er bis in die jüngste Vergangenheit reichen, ist es Placebo Effect – auch dank der Unterstützung durch Produzent Arnte (Pyrroline) – gelungen, ein in sich stimmiges, atmosphärisch, stilistisch und rhythmisch vielschichtiges Album zu kreieren, das die besten Qualitäten der Band vereint und sie als reifen Vertreter eines Genres präsentiert, das sich oft nur noch selbst kopiert.

Bereits der ein breitflächig atmosphärisches Intro eingeleitete Opener „Dead and Buried“ dokumentiert eindrucksvoll die gelungene Verbindung von feiner Songstruktur, filmmusikalisch geprägtem Unterbau, pointierten Rhythmen und Axels expressiven Vocals, während „Open Dead Eyes“ nicht von ungefähr Assoziationen zu Severed Heads Klassiker „Dead Eyes Open“ weckt. So unterschiedlich sich über all die Jahre die musikalischen Einflüsse von Placebo Effect entwickelt haben, so vielseitig klingt mittlerweile auch das Material, das die Band auf „Shattered Souls“ präsentiert.

„Früher haben wir uns natürlich auch an anderen Bands wie Skinny Puppy orientiert, aber jetzt war es eher so, dass wir uns an uns selbst orientiert haben, um überhaupt erst einmal wieder ins Placebo-Effect-Universum zu gelangen“, erklärt Axel. „Man mag zwar immer noch die Bands heraushören, die uns damals geprägt haben, aber ich denke, ‚Shattered Souls‘ ist schon sehr eigenständig geworden. Ich bin mittlerweile weniger davon inspiriert, was die Leute für Musik machen, sondern davon, wie sie etwas machen, um auch mehr Experimente zuzulassen.“

Dazu zählen nicht nur die konzipierten coolen Samples und musikalisch stark variierenden Instrumentals „D.E.S.T.R.U.C.T.I.O.N“, „P.A.R.T“, „V.O.I.C.E.S“ und „L.A.S.T“, aber auch die mehr oder weniger heimlichen Hits des Albums, allen voran das bereits durch ihre Youtube-Präsenz bereits bekannten „Crystal White Snow“ und „Nothing to Cry“, sowie das minimalistisch wirkende, konstant groovende „Feed Your Creatures“ und die stark an die Anfangstage von Placebo Effect erinnernden Dancefloor-Killer „Pain“, „Down on Your Knees“ und „Slave“.

Mit einer neuen Version von „Hard Work“, das erstmals auf dem „Gargoyles“-Tape veröffentlicht worden ist, schließt sich ein großer Kreis um die langjährige Geschichte von Placebo Effect.

„‚Hard Work‘ haben wir schon für die Konzerte neu arrangiert. Wir finden, dass der Titel so ein kleiner Klassiker geworden ist. Der Track ist von Achim und stellt für uns eine Verbindung zu ihm her. Es ist ein Stück, das für uns nie so richtig fertig gewesen ist“, erklärt Axel. „Wir haben es auch auf dem WGT gespielt, aber das Gefühl bekommen, dass es nicht das richtige Tempo hatte und überarbeitet werden sollte. Außerdem lässt sich der Zusammenhang von Geld und Arbeit visuell gut auf der Bühne umsetzen. Und letztlich soll es einen Bogen spannen, denn es ist nicht zwingend davon auszugehen, dass wir noch einmal etwas veröffentlichen werden. So zeigt das Album eine Entwicklung auf von der Zeit, in der wir angefangen haben, und bringt das Ganze zu einem Abschluss.“

Das von der Band selbst veröffentlichte Album „Shattered Souls“ berührt auf vielerlei Weise. Es zeigt eindrucksvoll auf, wie sich die Band zwar gerade von der kanadischen Dark-Electro-Szene inspirieren ließ, aber auf einzigartige Weise die Experimentierfreudigkeit von Industrial-Acts wie Throbbing Gristle, SPK, Coil und Cabaret Voltaire mit den versierten Songwriterqualitäten von Bands wie Depeche Mode, Soft Cell und Blancmange und den filmmusikalischen Atmosphären eines John Carpenter, Ennio Morricone oder Graeme Revell zu vereinen versteht.

„Früher haben wir uns darüber Gedanken gemacht, was der Hit auf dem Album werden soll, diesmal haben wir uns nur über Atmosphären ausgetauscht. Dadurch hat das Album eine zusammenhängende Ausstrahlung bekommen, wobei die Stücke untereinander aber völlig verschieden sind. Wir wollten auf keinen Fall nur ein Stück machen und dann zehn weitere, die in die gleiche Richtung gehen. Wir wollten das widerspiegeln, was wir in all den Jahren an Musik gemacht haben“, resümiert Axel. „Unsere Alben sind ja ganz unterschiedlich geworden. ‚Shattered Souls‘ weist ganz unterschiedliche Stile auf, wirkt aber wie aus einem Guss. Es beginnt mit einem Herzschlag und hört auch mit einem auf.“

„Shattered Souls“ ist gleichermaßen das Dokument eines langjährigen Schaffensprozesses, aber auch eines stilistischen Potpourris, in dem vielerlei elektronische Gestaltungsmöglichkeiten zum Einsatz gekommen sind. Und noch ist nicht das letzte Wort gesprochen, ob es sich bei „Shattered Souls“ tatsächlich auch um eine Art Testament handeln wird …

Zeit

19:30

Location

M.A.U. Club

Warnowufer 56, 18057 Rostock

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